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Christian Körner beim Race Across Germany 2026 – 425 Kilometer von Eschwege nach Görlitz

2026-08-27 18:59:51 | Carsten Deiters

Am heutigen 27. August haben wir uns im Cube Store Eschwege mit Christian Körner getroffen, bevor es für ihn morgen Abend beim Race Across Germany ernst wird. Im kleinen Interview haben wir mit ihm über seine Anfänge im Radsport, seine Vorbereitung und natürlich über die bevorstehenden 425 Kilometer von Eschwege nach Görlitz gesprochen.

Natürlich möchten wir Christian bei dieser Herausforderung auch bestmöglich unterstützen. Deshalb haben wir ihn noch einmal mit Trinkflaschen, Ersatzschläuchen, Reifen und weiterem Material für unterwegs ausgestattet. Zusätzlich bekommt er von uns ein Cube Litening Air als komplettes Ersatzrad mit auf die Strecke. Sollte es unterwegs an seinem eigenen Cube Litening Aero ein größeres technisches Problem geben, kann schnell das Rad gewechselt werden, während das defekte Rad im Begleitfahrzeug wieder fit gemacht wird.

Damit ist Christian für möglichst viele Eventualitäten gerüstet. Morgen Abend um 20:36 Uhr fällt für ihn in Eschwege der Startschuss.

Carsten: Christian, wie bist du eigentlich zum Radsport gekommen und weißt du noch, wann dich das Radfahren richtig gepackt hat?

Christian: Ja, mit dem Radsport angefangen habe ich irgendwann Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Das genaue Datum kann ich jetzt nicht mehr benennen. Der Initiator sitzt mir gegenüber. Und bis es mich richtig gepackt hat, hat es vielleicht anderthalb bis zwei Jahre gedauert, bis wir dann tatsächlich auf dem Mountainbike die ersten Rennen absolviert haben. Das würde ich jetzt mal als Initialzündung bezeichnen.

Carsten: Was waren deine ersten Räder und deine ersten größeren Touren oder Wettkämpfe? Also Cube war es, glaube ich, nicht, weil, als du angefangen hast oder wir angefangen haben, Cube noch gar nicht existent war. Die gibt es nämlich seit 1993. Und wenn ich es richtig im Kopf habe, haben wir 1991 angefangen.

Christian: Ja, das könnte sein. Ich wäre mir jetzt auch nicht sicher gewesen, ob das 1991 war. Aber das erste Fahrrad war tatsächlich ein Univega Alpina. Und dann sind wir ja gleich in den etwas günstigeren Sektor eingestiegen, mit Yeti, GT, Litespee...

Carsten: Ja, genau so war das.  Wann hast du gemerkt, dass du nicht einfach nur gerne Rad fährst, sondern auch sportlich ambitionierter unterwegs sein möchtest?

Christian: Ja, ich denke, das war der Zeitpunkt damals, als wir mit Rennen angefangen haben. Weil ein Rennen schon etwas anderes ist als eine Sonntagstour.

Carsten: Ja, man muss vielleicht auch noch dazu sagen: Als wir angefangen haben, ging das gerade so los mit dem Mountainbikesport in Deutschland. Und relativ schnell hatten sich auch überall kleinere Rennen etabliert. Ich glaube, damals sogar mehr als heute. Da konnte man, wenn man wollte, schon fast jedes Wochenende irgendwo teilnehmen. Also es war schon wirklich eine krasse, spannende Zeit damals.

Carsten: Nächste Frage: Gab es in deiner bisherigen Radsportzeit ein Erlebnis oder einen Wettkampf, an den du besonders gerne zurückdenkst?

Christian: Jedes Rennen hat so seinen Reiz. Highlights waren zum Beispiel die 150 Kilometer auf dem Nürburgring oder die letzten beiden Jahre, die ich jetzt mit dem Team aus dem ETSV die 24-Stunden-Rennen gefahren bin.

Carsten: Ah, okay. Na ja, und morgen wird es dann noch ein bisschen umfangreicher, zumindest von der Kilometerzahl. Aber dazu später noch mehr.
Wie hat sich dein Training im Laufe der Jahre verändert? Fährst du heute ganz anders als noch vor einigen Jahren?

Christian: Ja gut, man muss sagen: Damals, als wir in den 90ern angefangen haben, habe ich das ungefähr zehn Jahre gemacht. Danach gab es erst einmal eine 15-jährige Pause, in der ich gar nicht auf dem Rad gesessen habe.

Seit 2021 sitze ich wieder auf dem Rad, habe dann mit dem E-Bike angefangen und irgendwann habe ich mir überlegt: Was kann man denn besser machen? Und da kam der Gedanke an strukturiertes Training. Ich habe mich damit beschäftigt und habe ein Jahr mit einem richtigen Trainer zusammengearbeitet. Und man merkt halt, dass man dann doch gewisse Leistungsfortschritte macht.

Carsten: Ja, wenn ich so an die alten Zeiten zurückdenke, da war es ja ungefähr so: Jede Trainingsfahrt Vollgas. Und das hat irgendwie auch so halbwegs funktioniert. Aber ich glaube, so wie du es jetzt machst und die Leistungen, die du erbringst, die sprechen ja für sich. Das macht dann schon mehr Sinn und ist deutlich effektiver, als wenn man einfach nur auf gut Glück möglichst schnell draußen herumfährt.

Kommen wir zur nächsten Frage: Was reizt dich besonders an langen Distanzen? Und was macht für dich den Unterschied zwischen einer normalen Rennradrunde und einer echten Langstreckenherausforderung aus?

Christian: Schwierige Frage. Ich meine, bei einer normalen Rennradrunde ist der schlimmste Faktor eigentlich die Zeit. Man versucht ja irgendwie, das Privatleben – also Familie, Arbeit und was man sonst noch hat – mit dem Radsport zu vereinen. Und Radsport ist halt eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit.

Eine normale 100-Kilometer-Runde, da sehe ich jetzt keine Herausforderung. Ich persönlich fahre jetzt auch 150 bis 170 Kilometer oder so. Das ist noch kein großes Ding.

Die eigentliche Herausforderung kommt irgendwann im Verhältnis von Kilometern zu Höhenmetern. Und so eine Strecke wie jetzt die 420 Kilometer bin ich tatsächlich bis dato noch nie gefahren. Letztes Jahr war es der RHÖN 300, der hatte einen anderen Höhenmeteranteil mit 5.300 Höhenmetern oder so. Jetzt sind es nur 3.300 Höhenmeter. Von daher bin ich eigentlich guter Dinge, dass das nicht so das Problem sein sollte.

Was ich eventuell sehe, ist wirklich die Fahrt die ganze Nacht durch. Das ist eine psychische Sache, die einen vielleicht belastet. Die Dunkelheit und dann je nachdem, wie das Wetter mitspielt.

Carsten: Ja, das stelle ich mir auch anspruchsvoll vor. Und ich glaube, bei diesen Langstreckenherausforderungen ist natürlich auch die Logistik ein Problem. Du fährst ja morgen supported, also du hast ein Begleitfahrzeug hinter dir. Aber es gibt ja auch Fahrer, die fahren morgen unsupported. Ich persönlich kann mir das kaum vorstellen. Ich denke, das ist eine der Hauptherausforderungen bei so langen Strecken: Wie verpflegt man sich und was macht man im Fall einer Panne? Da sind wir morgen natürlich ganz gut aufgestellt mit dem Begleitfahrzeug und können, wenn irgendetwas passiert, immer reagieren.

Was ist bei solchen Distanzen schwieriger – die körperliche Belastung oder irgendwann der Kopf?

Christian: Wie eben schon gesagt: Ich denke, was psychisch belastend ist, ist erst einmal die Fahrt durch die Nacht. Weil es schon anders ist, als tagsüber zu fahren.

In der Vorbereitung habe ich schon einige Night Rides absolviert. Und ich sage mal: Es hat eine gewisse Ruhe, aber man muss sich auch auf die Strecke konzentrieren. Bei Tag fahre ich halt und habe die Strecke so ein bisschen im Auge. In der Nacht muss ich den Fokus doch ein bisschen mehr auf den Lichtkegel vor mir richten.

Carsten: Du fährst beim Race Across Germany von Eschwege nach Görlitz. Wie bist du denn auf die Idee gekommen, bei diesem Rennen zu starten? Ich meine, ich würde auf so eine Idee jetzt nicht kommen bei 425 Kilometern. Aber wie ist es denn bei dir? Wann kamst du darauf? Hast du das irgendwo im Internet gesehen oder hattest du die Idee schon länger, dass du da mal mitmachen könntest?

Christian: Das war eine ganz zufällige Angelegenheit. Eigentlich war ich dabei, mich dieses Jahr wieder für den Ötzi zu registrieren und einen Versuch zu starten, ob ich da mitfahren kann. Und parallel dazu habe ich beim Surfen im Internet noch alternativ nach Rennen geguckt und das gefunden. Da dachte ich mir: Das startet in Eschwege, gleiches Wochenende wie der Ötzi – da probieren wir es doch mal.

Also habe ich mich da beworben. Und dann haben die mir geschrieben, ja, ich kann teilnehmen. Man muss ja dementsprechend seine Fähigkeiten so ein bisschen nachweisen, damit klar ist, dass man nicht völlig unvorbereitet ist.

Carsten: Also kann nicht jeder mitfahren?

Christian: Ich glaube nicht. Das ist ja auch nur ein begrenztes Starterfeld. Wenn du hinschreibst, du bist bis dato immer zweimal die Woche 50-Kilometer-Runden gefahren, dann werden sie dir wohl schreiben: Nein, tut uns leid, da sollten Sie lieber die Finger von lassen.

Carsten: Ja, glaube ich auch. Ich glaube, der Veranstalter hat auch kein Interesse daran, dass Leute abbrechen oder irgendwelche Sachen passieren, die man nicht will, weil man einfach nicht den Trainingsstand hat, den man für so eine Distanz braucht.

Wie hast du dich auf das Race Across Germany vorbereitet? Gibt es etwas, das du im Training ganz gezielt für dieses Rennen gemacht hast? Ich weiß ja von deinen Nachtfahrten – die sehe ich selber auch auf Strava –, dass du da auch schon nachts unterwegs warst und unter anderem die Beleuchtung getestet hast. Aber gab es sonst noch irgendetwas? Hast du dich speziell auf diese Ultradistanz vorbereitet?

Christian: Eigentlich nicht. Wie gesagt, der limitierende Faktor ist immer die Zeit. Und ich glaube, meine Frau würde mir die rote Karte zeigen, wenn ich mich jetzt einmal die Woche 16 Stunden aufs Rad setzen würde. Wäre vielleicht mal ganz cool, aber ja …

Ich hatte mal überlegt, eine 500-Kilometer-Runde zu fahren, aber das war immer nur so ein Kopfprojekt. Wie gesagt, ich habe versucht, so viele lange Fahrten wie möglich zu machen. Also 100 Kilometer aufwärts.

Ich hatte zwei Wochen Urlaub, da waren es fast 1.200 Kilometer oder irgendwas, die ich in der Zeit gefahren bin. Da hatte man halt einen etwas anderen Zeitfaktor. Aber nein, außer den Nachtfahrten war jetzt nichts Spezielles dabei.

Carsten: Was ist dein persönliches Ziel für das Race Across Germany? Geht es um eine bestimmte Zeit, eine Platzierung oder zunächst einmal nur darum, die Strecke erfolgreich zu bewältigen?

Christian: Ja gut, erst einmal ist die erfolgreiche Bewältigung das erste Hindernis, das es zu überwinden gilt. Ich weiß nicht, können wir jetzt großkotzig sagen: Ja, davor habe ich eigentlich keine Angst. Aber es können ganz viele Dinge passieren. Von daher ist das erst einmal das erste Ziel. Das andere ist natürlich: Ich habe mir da eine Zeit überlegt. 16 Stunden, 27er Schnitt ungefähr – das wäre so das, wo ich sagen könnte: Wenn ich gut durchkomme, wäre das ein realistisches Ziel.

Carsten: Okay. Wir sitzenhier gerade im Cube Store Eschwege und deshalb auch die Frage: Mit welchem Material startest du denn morgen Abend? Erzähl doch mal, was hast du dabei?

Christian: Ja gut, mein erstes Fahrrad ist das, was mir selber gehört. Das ist ein Cube Litening Aero. Das fahre ich erst einmal. Und das Back-up, das ich freundlicherweise von euch aus dem Laden bekommen habe, ist auch ein Cube Litening Air, sozusagen die Bergversion. Das wäre dann, wenn der Worst Case eintritt, dafür da, dass man erst einmal nur das Rad wechseln muss, statt größere Reparaturarbeiten durchzuführen.

Carsten: Und das Cube Litening Air bist du auch schon gefahren?

Christian: Ja.

Carsten: Und wie ist so der Vergleich vom Aero zum Air?

Christian: Überraschenderweise bin ich mit der Geometrie auf dem Air ziemlich gut zurechtgekommen. Ich habe die gleichen Einstellungen bezüglich Sattelhöhe und Abstand zum Lenker und so weiter. Das habe ich eins zu eins vom Aero übernommen und komme damit gut zurecht, in allen Positionen.

Ich merke jetzt auch wirklich keine größeren Unterschiede. Gut, ich sage mal, ich bin das Air relativ locker gefahren, also eigentlich einfache Trainingsfahrten. Ob man dann genauer etwas merkt, wenn man im VO₂max-Bereich oder wirklich im härteren Bereich trainiert, kann ich nicht sagen.

Aber ich kann sagen: Ich bin den Schlierbach (Berg bei Eschwege) damit runter und war bergab sogar schneller als mit dem Aero. 

Carsten: Hast du gemerkt, dass es gewichtstechnisch einen Unterschied gibt? Ich weiß gar nicht, muss ich zugeben, wie viel leichter es ist. Aber du bist vermutlich auch noch nicht die Berge gefahren, wo man das dann vielleicht merken müsste.

Christian: Nein, das müsste man am ehesten dort merken. Aber ich glaube, da müsste ich wirklich einen Berg einmal mit dem einen und einmal mit dem anderen Rad hochfahren, damit man wirklich einen Unterschied merkt. Ich denke mal, das Aero wiegt in der Serienversion ohne Pedale 7,2 Kilo. Ob das Air am Schluss 200 Gramm leichter ist, weiß ich jetzt nicht. Und ob man das tatsächlich merkt?

Carsten: Du hast auf dem Aero aber hohe Felgen, oder?

Christian: Ja.

Carsten: Und auf dem Air sind flache Felgen, richtig?

Christian: Ja, genau. Ich glaube, der Newmen-Laufradsatz auf dem Air macht schon mal um die 300 Gramm Unterschied gegenüber dem Mavic-Laufradsatz auf dem Aero aus.

Carsten: Wir sind auf jeden Fall gespannt. Vielleicht kommt ja morgen Nacht dann auch das Air mal zum Einsatz. Wie gesagt, wir haben das als Back-up im Auto dabei. Und wenn es eine Panne geben sollte, tauschen wir schnell die Fahrräder und reparieren dann während der Fahrt das Fahrrad, das ausgefallen ist. So ist der Plan. Und ich denke, damit sind wir ganz gut aufgestellt.

Das war's mit unserem kleinen Interview. Ich bedanke mich ganz herzlich, Christian. Und wir alle hier vom Cube Store Eschwege drücken dir die Daumen, dass du deine Ziele morgen Nacht erreichst und wohlbehalten in Görlitz ankommst. Vielen Dank.

Christian: Ich danke euch für die Unterstützung.

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